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Umbruch der globalen Energiemärkte

Das neue „Great Game“ wird hart

Carlos Pascual über die Herausforderungen künftiger Energiemärkte

Das neue „Great Game“ wird hart Das neue „Great Game“ wird hart
energlobe mar

Energie und Geopolitik

Vor etwas weniger als zwei Jahren wurde an der New Yorker Columbia University das Center on Global Energy Policy unter Leitung von Jason Bordoff, einem ehemaligen Energieberater von Präsident Obama, gegründet. Dieses Center wurde schon nach kurzer Zeit zu einem der weltweiten „Frontrunner“ unter den Thinktanks, da es die speziellen New Yorker Vorteile der Verbindung von Forschung und Politik mit den führenden Finanzinstitutionen und ihren Analysten zu nutzen versteht. Ein weiterer Grund für den schnellen Erfolg ist die Zusammensetzung der Fellows dieses Centers, zu denen unter anderem Obamas ehemaliger Sicherheitsberater Thomas Donilon und seit September vergangenen Jahres auch Carlos Pascual gehören.

Pascual war von Außenministerin Hillary Clinton 2011 als oberster US-Diplomat für Fragen der Energiesicherheit ins State Department geholt worden, um eine Abteilung für Energiediplomatie aufzubauen, die zuletzt nach Angaben der New York Times 85 Mitarbeiter zählte. In einer ihrer Abschiedsreden an der Georgetown University in Washington D.C. sagte Clinton zu diesem Schritt: „Energie durchzieht die gesamte US Außenpolitik. Sie ist eine Sache der nationalen Sicherheit und der globalem Stabilität. Sie ist das Herz der globalen Wirtschaft. ... sie gehört zum Kern jeder Geopolitik, weil Energie eine fundamentale Sache von Wohlstand und Macht ist, was bedeutet, dass sie sowohl eine Quelle von Konflikten als auch von Zusammenarbeit sein kann."

Ein Jahr bevor Pascual zu Bordoffs Team stieß, hatte er während eines in den Medien wenig beachteten Vortrags an der Columbia University den durchaus denkwürdigen Satz formuliert:
"Heute ändern sich die Rahmenbedingungen. Wir kommen dadurch in die interessante Situation, dass Chinas Fähigkeit, seine Energie-Nachfrage zu befriedigen zu einem Interesse der nationalen Sicherheit der USA geworden ist.

Hört sich das nicht so an, als würde es im Fall der Energiesicherheit letztlich zu einer völlig neuartigen Durchdringung von Außen- und Innenpolitik kommen? ENERGLOBE traf Carlos Pascual und fragte nach:

China als Faktor der nationalen Sicherheit der USA 

„Mein Punkt ist der, dass die weltweiten Energiemärkte miteinander verbunden sind“, sagt Pascual. China habe den größten und am schnellsten wachsenden Energiemarkt in der ganzen Welt. Damit komme der chinesischen Nachfrage die wichtigste Rolle für die Bildung der internationalen Energiepreise, besonders der Ölpreise, zu. „Das hat direkte Konsequenzen auf das ökonomische Wachstum in den USA.“ Für Pascual sei das aber nur ein Aspekt – erst einmal aus reinem Selbstinteresse, wie er sagt.

Ein zweiter Aspekt liege für ihn in den Entscheidungen, die China über seine künftigen Investitionen und die Zusammensetzung seines Energie-Mixes treffe. Auch wenn China viele Investitionen in Erneuerbare Energien plane, seien die Investitionen in Kohle bei weitem noch höher. Der künftige Energiemix Chinas habe aber ausschlaggebende Bedeutung für die weltweite Klimapolitik. Deshalb sei die im vergangenen Jahr zwischen den USA und China getroffene Absprache, nach der China seine CO2-Emissionen nach 2030 nicht mehr steigen werde, so wichtig.

„Die politische Bedeutung dieser Absprache ist aber noch viel wichtiger als die konkreten Klimaziele“, unterstreicht Pascual, denn zum ersten Mal hätte China in offiziellen Gesprächen anerkannt, dass seine Energiepolitik von entscheidender Bedeutung für die weltweiten Klimaveränderungen ist. China habe damit die jahrelange Trennung der sich entwickelnden von den industriellen Ländern aufgegeben, weil alle zusammen ein Teil der Lösung sein müssten.

In wenigen Tagen wird US-Präsident Barak Obama den Besuch von Indiens Premierminister Narendra Modi in Washington D.C. vom vergangenen Jahr erwidern. Gefragt, ob Indien jetzt nach den Vereinbarungen zwischen China und den USA unter Zugzwang gerate, antwortet Pascual, er halte Indiens Entscheidungen über seine künftige Energiepolitik für ebenso entscheidend, wie die Chinas. Allein schon deshalb, weil Indien in naher Zukunft mehr Kohle als China verbrauchen werde.

„Ein entscheidender Unterschied ist aber, das die energiewirtschaftlichen Entscheidungen in China zentralstaatlich, in Indien vor allem aber durch den Privatsektor getroffen werden, für den die Politik nur den Rahmen setzt“, sagt Pascual. In Indien entscheide die private Wirtschaft, in welche Energieformen man investiere. Deshalb hätten die Gespräche mit der indischen einen anderen Charakter, als die mit der chinesischen Regierung. Mit Indien überlege man, welche politischen Rahmenbedingungen den privaten Finanz- und Energiesektor in seinen Investitionsentscheidungen lenken können.

Der Ölpreis-Kampf: "Überleben des Stärkeren"

Auf seinem Rückweg von den Gesprächen zur Vorbereitung des Obama-Besuchs von Neu Delhi traf sich US-Außenminister John Kerry vor wenigen Tagen mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammad Zarif im Rahmen der Fortsetzung der E3+3 Gespräche zwischen den USA, Frankreich, Großbritannien, Russland, China, Deutschland und dem Iran.

Im November vergangenen Jahres hatte Israels Energieminister Silvan Shalom in einem Gespräch mit ENERGLOBE darauf verwiesen, dass es nach seiner Auffassung in den E3+3 Gesprächen nicht nur um die Verhinderung einer iranischen Atomwaffenfähigkeit gehe, sondern auch um die Frage, wer in den kommenden Jahrzehnten die Energievorkommen des Nahen und Mittleren Ostens kontrollieren werde.

Nach seiner Ansicht zu dieser Einschätzung befragt, verweist Pascual auf den sich verändernden globalen Rahmen der weltweiten Energiemärkte. „Wir kommen in eine Periode des immer härter werdenden weltweiten Wettbewerbs zwischen den erdölproduzierenden Ländern. Es wird gegenwärtig viel über die zu erwartenden „Ups and Downs“ des Ölpreises spekuliert. Ich bin überzeugt, dass in dieser Periode der Erdölpreis flach bleiben wird, … zumindest in diesem Jahr“, prognostiziert Pascual. Die Ölproduktion in den USA sei nicht nur stark, sondern werde immer effizienter und konsolidiere sich weiter. Diese Entwicklung würde dazu führen, dass entgegen der Absicht, mit fallenden Öl-Preisen die USA aus dem Markt zu drängen, nur weltweit die weniger effizienten Ölproduzenten aus dem Markt gedrängt werden würden.

Allerdings würden zwei divergierende Risikofaktoren für die Preisentwicklung bleiben, sagt Pascual. Einerseits sei das die Ungewissheit über die künftigen Ölproduktionen in Irak, Libyen und Nigeria. Andererseits sei es die Frage nach der Rückkehr von Förderländern wie Iran – eine Frage, die in den vergangenen Jahren gar nicht existierte.

Betrachte man diese Gesamtsituation mit den Augen der Produzenten, so sei für sie Asien der einzige weltweit wachsende Energiemarkt. Deshalb kämen wir in eine Ära, in welcher der Wettbewerb zwischen den erdölproduzierenden Ländern sehr viel härter und intensiver wird. „In diesem Wettbewerb kann umgekehrt China seine Konsumentenmacht und sein Interesse an einer Diversifizierung seiner Ölimporte nutzen, um sehr günstige Verträge und Preise zu erzielen“, sagt Pascual.

Diese internationalen Marktentwicklungen stünden für ihn mehr im Vordergrund, als z.B. die Frage, ob Sanktionen gegen Russland oder den Iran beide Länder in die Hände Chinas spielen würden.

Irak: Keine Chance gegen ISIS ohne neuartige Öl-Förderverträge 

„Was aber für den gesamten Nahen Osten und darüber hinaus von entscheidender Bedeutung ist, ist die Zukunft des Irak und der Kamp gegen ISIS“, unterstreicht Pascual. Beides hänge engstens mit der Erdölförderung des Landes zusammen. Deshalb wurde diesen Fragen auch ein breiter Raum während des Atlantic Council Energy Summit in Istanbul im vergangenen November eingeräumt.

Ausgangspunkt sei für ihn, so Pascual, dass die Entstehung von ISIS ein unmittelbares Ergebnis der irakischen Politik unter dem ehemaligen Premierminister Nuri al-Maliki sei, den sunnitischen Bevölkerungsteil von den Vorteilen des Erdölexports auszuschliessen. Das habe eine Bewegung ins Leben gerufen, welche entschlossen sei, die Macht in Syrien und im Irak zu erobern – ISIS. Was diese Bewegung so gefährlich mache, sei ihre Verflechtung mit den sunnitischen Bevölkerungsteilen.

Jetzt komme es darauf an, der sunnitischen Bevölkerung im Irak glaubhaft zu versichern, sie an den Projekten aus den Exporteinnahmen fair zu beteiligen. Dazu könne die gegenwärtige Ölproduktion des Irak leicht von gegenwärtig über 3 auf über 4 Mio Barrel am Tag gesteigert werden. „Um dieses Plateau zu erreichen, werden aber massive Investitionen von den im Irak tätigen Unternehmen benötigt“, meint Pascual, „denn es geht nicht mehr um den Ausbau bestehender Quellen, sondern um die Erschliessung neuer Felder.“ Damit würde man nicht mehr nur 3 bis 4 Mrd. Dollar sondern 30 bis 40 Mrd. Dollar pro Feld investieren müssen.

Dafür, so Pascual weiter, benötige man sowohl stabile politische Verhältnisse als auch neue Vertragsformen, die mehr internationale Finanzkredite und deren Versicherung ermöglichen, denn bislang bezahle der Irak seine Verpflichtungen aus den Erdölgeschäften hauptsächlich mit Erdöl. Ein Fortsetzen dieser Praxis verhindere im Irak aber die für Entwicklungs-, Bildungs- und Infrastrukturprojekte nötigen Einnahmen. „Die Herausforderung im Irak ist, wie man die Natur der vertraglichen Beziehungen mit den Energieunternehmen so ändern kann, dass ein Geschäftsklima entsteht, welches dem Irak gestattet, diese enormen zusätzliche Investitionen zu tätigen“.

 

Ambassador Carlos Pascual is Senior Vice President at IHS and Fellow at the Center on Global Energy Policy. Pascual served as U.S. Ambassador in Mexico (2009-2011) and Ukraine (2000-2003). As Special Envoy and Coordinator for International Energy Affairs, Pascual established and directed (2011-2014) the State Department’s Energy Resources Bureau and was the senior advisor to the Secretary of State on global energy diplomacy.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014